AUSZUG. © MIT ERLAUBNIS NACHGEDRUCKT. AllE rECHT VORBEHALTEN.

 

Beurteilung  

A

lle Menschenleben sind persönlich.

Es ist unmöglich die Verantwortung für unsere individuellen Gedanken und Taten zu vermeiden. Wenn es also darum geht essentielle Beurteilungen über jegliche Organisationen oder Personen zu machen, hat jeder von uns eine unheimliche Verantwortung:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden.”

sagt Jesus, wie von dem Jünger und Schriftsteller Matthäus berichtet wurde. (Kap 7.1-12)

              Meine Meinungen und meine Beurteilungen sind meine Verantwortung und werden sowohl positive als auch negative Reaktionen hervorrufen, ja sogar Reaktionen, welche geradezu feindselig sind.

              Ich bitte diejenigen, welche das lesen was ich geschrieben habe, sorgfältig nachzudenken bevor Sie sich darüber entscheiden, wie sie dazu stehen, was Sie sagen, und was Sie tun.

              Die Wahrheit ist die Richtlinie.

              Ich bereue es zutiefst, wenn meine Meinungen vielleicht einen persönlichen Anstoß verursachen. Es ist nicht meine Absicht zu verletzen - obwohl ich zugebe, daß dieses geschehen mag - und ich hoffe, daß die Verletzung nur von kurzer Dauer sein wird.

 

Also, da alle menschlichen Ansichten persönlich sind, lassen Sie mich auf einer persönlichen Art und Weise beginnen.

              Als Papst Johannes Paul II verstarb, hieß die Person welche die Predigt über dem Holzsarg auf dem Petersplatz gehalten hat Kardinal Josef Ratzinger, der bereits über zwanzig Jahre ein Präfekt der Glaubenskongregation gewesen ist.

              Seine geflüsterte Predigt war perfekt, eine beeindruckende Ehrung an einen starken und heiligen Mann, welcher sein Leben dafür widmete Jesus Zeugnis abzulegen. Viele Leute in der Menschenmenge forderten lautstark die sofortige Deklaration seiner Heiligkeit, und ich stimmte gänzlich den erscheinenden Plakaten zu, auf welchen stand: "Santo Subito!", “Heiligkeit jetzt!”!”

              Johannes Paul war ein bemerkenswerter Mann, obwohl manche seinen dramatischen Ansatz nicht mochten.

              Ich hatte dagegen nichts einzuwenden, weil ich mich gut erinnern kann an sein leidenschaftliches Gesuch an die unbarmherzigen Männer der Irisch Republikanischen Armee (die IRA) in Dundalk, in der Republik Irlands, sie sollten mit dem Töten aufhören: “Mord unter einem anderen Namen bleibt immer noch Mord!” 

              Es war erst später als ich begann wahrzunehmen, wie konservativ sein religiöses Glauben tatsächlich war, unterstützt von seinem guten Freund Joseph Ratzinger, auch bekannt als ‘Rottweiler Gottes!’ – welcher seine ganzen „Drecksarbeiten“ für ihn erledigte.

              Ich mochte Johannes Paul sehr. Er war ein barmherziger Mann, ohne Zweifel ein Heiliger, einfach weil er Gott und Nachbar bedingungslos liebte, und über so eine lange Zeit so viel Gutes von sich gab.

              Ich bereue es sagen zu müssen, daß ich von Josef Ratzinger nicht ganz so beeindruckt war, trotz der Klarheit seiner Gedanken und der beeindruckenden Rede bei der Beerdigung seines Freundes. 

              Zu der Zeit hatte ich nur eine Reaktion: “Dieser Mann muß wohl Favorit sein, als Papst gewählt zu werden,” und so hat es sich auch entwickelt.

              Als der neue Benedikt XVI auf dem Balkon über dem Petersplatz erschien war ich jedoch bestürzt zu sehen, wie er schüttelnd seine zugehakten Hände über seinem Kopf hielt, wie ein Boxweltmeister bei der Feier eines Sieges.

              Dies war nicht irgendwas, was ich so erwartet hätte. Andere Päpste hatten ihre Arme bescheiden ausgebreitet und die Menschenmenge empfangen, sich den Menschen angeboten, bevor sie die Einsegnung Urbe et Orbe gegeben haben. 

              Mache ich mir zu viel aus dem Eindruck, den ich hatte? Ich glaube nicht. Die Körpersprache ist kräftig, unfreiwillig, und fast unmöglich zu verbergen.

              Der zukünftige Benedikt erinnerte sich später an Nervosität und Abneigung als klar wurde, daß er zum Papst gewählt werden sollte. Dies kann ich gut glauben und glaube auch, daß der neue Papst einen Sieg nicht nur für sich selbst, sondern überwiegend auch für die Kirche feierte, in Überzeugung davon, daß er gewußt hat was innerhalb der Kirche notwendig war, um sie von den von ihm wahrgenommenen Mißhandlungen zu befreien: eine größere Kontrolle über die zu lockeren Lehren und Gewohnheiten.

              ‘Der Rottweiler Gottes’  war, nach meiner Ansicht, nicht verschwunden. Als Papst hatte er jetzt die ultimative Kontrolle, und erwartete von sämtlichen wohl-denkenden Katholiken, daß sie ihn bei seiner Feier begleiten würden.

              Ich hatte tiefe Vorbehalte darüber, was in der Zukunft geschehen würde. Diese Vorbehalte entwickelten und intensivierten sich über die nächsten fünf Jahre......